Der Kampf gegen sexistische Diskrminierung

Gleichberechtigung der Geschlechter

Feminismus 2.0

Feminismus – ein Wort, viele Strömungen und noch mehr Meinungen.
Spätestens seit #MeToo ist Feminismus in Deutschland zurück im öffentlichen Diskurs.  Das Thema polarisiert. Häufig stellt sich die Frage, ob alle Beteiligten eigentlich über die selbe Sache sprechen und worum es ihnen überhaupt geht.  Und – Ist Feminismus heute noch das, was er früher mal war?

Text von Danja Halberstadt

Intro - Worüber reden wir?

Feminismus ist eine Bewegung mit vielen Facetten, aber einer relativ jungen Geschichte. Die Bewegung hatte in den letzten 150 Jahren immer wieder Hochphasen, gefolgt von Zeiten, in denen sie zu verblassen schien. Aus heutiger Sicht kann von drei Wellen des Feminismus gesprochen werden, die erste um 1900, die zweite um 1970 und die dritte ist in den letzten Jahren ins Rollen gekommen. Weil es jedoch schon immer verschiedene Strömungen, Ansichten und Forderungen gab, müsste man eher von ‚Feminismen‘ als ‚dem Feminismus‘ sprechen. Bestrebungen für mehr Gleichberechtigung werden häufig der Einfachheit halber trotzdem unter dem Begriff Feminismus zusammengefasst. Im Fokus steht dabei immer die Auffassung, dass alle Menschen gleichwertig sind und daher auch alle Geschlechter gleichgestellt sein sollten, dies aber noch nicht sind.

Als Synonym wird manchmal auch der Begriff ‚Frauenbewegung‘ verwendet, eine Bezeichnung, die nicht mehr so richtig zur heutigen Feminismus-Bewegung zu passen scheint, weil es schon längst nicht mehr nur um die Rechte von Cis-Frauen geht, wie es beispielsweise während der Neuen Frauenbewegung in den 1970ern noch überwiegend der Fall war. ‚Cis-Frauen‘ sind, anders als ‚Trans-Frauen‘, Menschen, die mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen auf die Welt gekommen sind und sich auch mit diesen identifizieren. Der moderne Feminismus will diverser sein als die traditionelle Frauenbewegung, um mehr Menschen und Lebensrealitäten in den Kampf um die Gleichstellung mit einzubeziehen. In dem Zusammenhang fällt in letzter Zeit häufiger der Ausdruck ‚intersektionaler Feminismus‘. Dazu eine kurze Erklärung: „Intersection“ ist das englische Wort für Straßenkreuzung. Und wie auch dort Wege aus verschiedene Richtungen aufeinander treffen, möchten intersektionale Feminist*innen verschiedene Diskriminierungsformen in ihren Aktivismus mit einbeziehen. Dazu gehört es, neben Sexismus auch auf Rassismus, Klassismus, Ableismus und Queer-Feindlichkeit aufmerksam zu machen. Im Fokus und an der Spitze der Bewegung soll nicht mehr nur die weiße, wohlhabende, heterosexuelle Cis-Frau stehen.

"Was verstehen wir unter dem Rechte der Frau? Nichts anderes als das Recht des Menschen überhaupt!"

Anita Augspurg, (1857-1943), emigrierte nach der NS-Machtergreifung

Das Spektrum, wie Feminismus von verschiedenen Menschen aufgefasst wird, reicht von ‚radikaler Ideologie‘ bis ‚friedliche Bewegung‘. Nicht alle erkennen einen Sinn in der Bewegung. Häufig liegt das daran, dass bereits von einer vollendeten oder zumindest ausreichenden Gleichstellung der Geschlechter ausgegangen wird. Manche halten Feminismus daher mitunter für überflüssig. Doch gerade der wachsame Blick auf die Geschichte zeigt, dass diesem Gedanken schon viele Generationen aufgesessen sind. Daher passt das Bild der Wellen gut zur Entwicklung der Bewegung, da sie nie linear war. Es sollte nicht verkannt werden, dass viele Errungenschaften im Sinne der Gleichstellung noch gar nicht so lange zurück liegen. Unsere Gesellschaft entwickelt sich zudem stetig weiter und erhält durch die Forschung neue Erkenntnisse, beispielsweise über das Geschlechter-Spektrum und soziale Konstrukte. So werden Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen aufgedeckt, die früher für normal gehalten oder zumindest hingenommen wurden.

Forderungen

Die Geschichte des Feminismus, die im weiteren Text noch detaillierter betrachtet werden soll, zeigt, dass im Grunde alle Forderungen der Bewegung irgendwann als radikal galten und sich die Gesellschaft an Neuerungen erst gewöhnen musste. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Frauenwahlrecht, welches erst vor etwas mehr als 100 Jahren in Deutschland eingeführt wurde. Heute ist es für uns völlig normal, dass Frauen genauso wählen gehen und sich politisch engagieren dürfen wie Männer. Doch der Weg zu dieser Normalität war lang und wurde zu damaligen Zeiten als radikal empfunden. Ein weiteres Beispiel ist die Berufstätigkeit von Frauen. Bis 1977 hatte ein Ehemann gegenüber seiner Frau rechtliche Mittel, um ihr die Lohnarbeit zu verbieten, wenn sie nicht gleichzeitig ihren ‚hausfraulichen Pflichten‘ nachkommen konnte. Diese Ungerechtigkeit ist aus heutiger Perspektive wohl eindeutig, doch auch bis dieses Gesetz geändert wurde, gab es viele Menschen, die den Sinn darin nicht sahen und lieber an der patriarchalen Macht-Struktur festhalten wollten. So war es auch bei der Debatte um ein verschärftes Sexualstrafrecht, welche in den 1980er-Jahren begann und erst 1997 dazu führte, dass auch eine Vergewaltigung innerhalb der Ehe als solche galt und strafrechtlich verfolgt werden konnte. Eine Änderung, die lange brauchte, erst ca. 25 Jahre zurück liegt, aber aus heutiger Sicht nicht wegzudenken wäre. 

Im Gegensatz dazu gibt es Forderungen der feministischen Bewegung, die bis heute bestehen und (noch) nicht umgesetzt wurden. Die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen, ist schon lange ein feministisches Thema. Bereits im 19. Jahrhundert haben sich Aktivist*innen darüber Gedanken gemacht, wieso Frauen nur schlechter bezahlte Arbeiten ausführen durften. Später ging es auch darum, dass Frauen im selben Beruf weniger verdienten, als männliche Kollegen. In dem Bereich hat sich sicherlich schon vieles zum positiven gewandt, aber der Gender-Pay-Gap besteht weiterhin und sogenannte Frauenberufe, die häufig im sozialen Bereich verortet werden, sind ebenfalls noch ein Thema, welches besonders während der Corona-Krise erneut diskutiert wurde.

Strömungen

Innerhalb des Feminismus gibt es, wie schon erwähnt, verschiedene Strömungen. Es wäre illusorisch zu denken, dass sich alle Aktivist*innen immer über Forderungen und die Art der Umsetzung einig gewesen wären und utopisch, dies für die Zukunft zu erwarten. Während der ersten Frauenbewegung gab es vor allem die zwei großen Lager der bürgerlichen und der proletarischen Frauenrechtler*innen. Während der Neuen Frauenbewegung, um die 1970er-Jahre, gründeten sich lesbische Initiativen, die den Mainstream-Feminismus vorrangig als Bewegung heterosexueller Frauen betrachteten. Auch Aktivist*innen, die sich explizit mit der Situation von BIPoC-Frauen oder Frauen mit Migrationshintergrund befassten, gab es damals schon, aber auch diese standen eher am Rand der Bewegung. Konservative Feminist*innen streben seit jeher, neben der rechtlichen Gleichstellung der Frau, die Besinnung auf die weibliche Biologie, in Abgrenzung zur männlichen, an. Der Fokus sollte weiterhin auf vermeintlich weiblichen Lebensentwürfen, wie dem Gebären und Versorgen von Kindern, liegen. Liberale Strömungen vertreten im Gegensatz zum intersektionalen Feminismus eher den Ansatz, dass Frauen durch bessere Bildungschancen und ihre Kompetenz aus eigener Kraft in Führungspositionen gelangen sollten und nicht beispielsweise durch eine Frauenquote. Dadurch soll sich Parität, zum Beispiel in Vorständen, natürlich entwickeln. Dieser Einblick in verschiedene Strömungen des Feminismus ist natürlich nicht komplett und soll lediglich einen kurzen Überblick darüber geben, wie facettenreich die Bewegung(en) sind.

"Die Harmonie entsteht nicht, wenn wir die Dummheit begehen, die Frauen auf Küche und Kochtopf zu beschränken. Die Natur hat beide Geschlechter gleichermaßen mit der Fähigkeit zu Wissenschaft und Kunst ausgestattet."

Charles Fourier um 1820, Begründer des Begriffs Feminismus

Definition

Feminismus ist ein Wort, das viele verschiedene Assoziationen hervorrufen kann. Die Bewegung gilt noch immer als kontrovers und das Wort ist schwer zu definieren. Das liegt wohl auch daran, dass es eben nicht den einen allgemeingültigen Feminismus gibt und die Bewegung so individuell sein kann, wie es eben auch Menschen und Lebensrealitäten sind. Dennoch gibt es zumindest Versuche der Definition: Im Duden steht, Feminismus sei eine „Richtung der Frauenbewegung, die, von den Bedürfnissen der Frau ausgehend, eine grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen Normen (z.B. der traditionellen Rollenverteilung) und der patriarchalischen Kultur anstrebt“. Im ‚Merriam-Webster‘-Wörterbuch hingegen heißt es, Feminismus sei die „Theorie politischer, ökonomischer und sozialer Gleichheit der Geschlechter; oder organisierte Aktivität im Namen der Rechte und Interessen der Frau“. Als Begründer des Ausdrucks Feminismus gilt übrigens ein Mann, der Franzose Charles Fourier. Um das Jahr 1837 soll der Philosoph den Begriff, der in seiner Muttersprache ‚feminisme‘ lautet, so geprägt haben, wie wir ihn auch heute meist noch verstehen. In einem seiner Werke schrieb Fourier: „Die Harmonie entsteht nicht, wenn wir die Dummheit begehen, die Frauen auf Küche und Kochtopf zu beschränken. Die Natur hat beide Geschlechter gleichermaßen mit der Fähigkeit zu Wissenschaft und Kunst ausgestattet.“ In der feministischen Social-Media-Bubble wird Feminismus oft auch als Gegenspieler von Sexismus dargestellt, da Sexismus eine Form der Diskriminierung ist, von der Menschen aufgrund ihres Geschlechts betroffen sind.

Es gibt Menschen, die den Begriff Feminist*in als Selbstbezeichnung ablehnen, obwohl sie prinzipiell für die Gleichberechtigung der Geschlechter sind oder sogar dafür kämpfen. Das könnte zum einen daran liegen, dass der Ursprung des Wortes für weiblich bzw. Frau steht. Manche Aktivist*innen lehnen jedoch den vermeintlichen Fokus auf das weibliche Geschlecht ab. Es könnte aber auch daran liegen dass ‚Feminist*in‘ ein Wort ist, welches mit Stigmata behaftet ist. Nicht selten hört man in dem Zusammenhang auch heute noch abwertende Ausdrücke wie ‚Männerhasser*in‘ oder ‚Emanze‘, welche die Bewegung als extremistisch darstellen. Deshalb stellt es für manche Menschen, die sich mit feministischen Inhalten identifizieren, einen mutigen Akt dar, dies auch nach außen zu tragen und sich offen als Feminist*in zu bezeichnen. Das gilt vor allem für Männer, die sich als Feministen verstehen, jedoch aufgrund dessen als ‚Pussy‘, ‚Simp‘ oder ‚Schwächling‘ verunglimpft werden. Sich für die Gleichstellung der Geschlechter zu engagieren, scheint gerade für einige Männer als ‚unmännlich‘ zu gelten. Um besonders von diesem Bild geprägten Personen eine Anlaufstelle zu bieten, hat Nils Jocher in Zürich den Verein ‚Die Feministen‘ gegründet. In einem Interview mit dem Online-Magazin ‚hallo zürich‘ hat Jocher in einem Interview 2019 erklärt, es sei wichtig, dass Männer andere Männer dort abholen, wo sie stehen, um gemeinsam kritisch über Männlichkeit zu diskutieren. Eine andere Initiative, die sich mit Geschlechterrollen befasst und sich an alle Menschen richtet, ist die Protest- und Bildungsorganisation ‚Pinkstinks‘. Diese will mit Aufklärungsarbeit im digitalen Raum, aber auch in Kitas und Schulen, gegen Sexismus und Queer-Feindlichkeit kämpfen. Heutzutage ist es natürlich einfacher, viele Menschen zu erreichen und aufzuklären. Im Gegensatz zu früheren Generationen haben Aktivist*innen nun die Möglichkeit, sich über soziale Netzwerke auszutauschen und zu vernetzen. In all dem liegen die Grundlagen und auch Chancen der neuen Gleichberechtigungs-Bewegung des 21. Jahrhundert – gewissermaßen des Feminismus 2.0.

"Niemand ist den Frauen gegenüber aggressiver oder herablassender als ein Mann, der seiner Männlichkeit nicht ganz sicher ist."

Simone De Beauvoir, Autorin und Feministin

Looking back - Von der Geschichte des Feminismus

Vor der ersten Frauenbewegung

Eine Welle entsteht nicht einfach so. Um zu wachsen und später, wenn sie ihren Höhepunkt erreicht hat, zu brechen, müssen bestimmte Bedingungen herrschen und Voraussetzungen erfüllt sein. Daher passt die Metapher „Welle“ für die Hochphasen des Feminismus sehr gut. Der erste Höhepunkt wurde mit der Errungenschaft des Frauenwahlrechts 1918 markiert. Doch bis dahin lag ein langer Weg, die Welle musste sich erst aufbauen, genug Kraft und Substanz gewinnen, um derartiges zu erreichen. Manche Historiker*innen gehen davon aus, dass viele Grundsteine für die spätere Bewegung in der Zeit der Französischen Revolution gelegt wurden. Denn bereits hier spielten die Frauen des Volkes erstmals eine größere Rolle und beteiligten sich aus ihrer Not heraus aktiv am Umsturz der vorherrschenden Ordnung. Olympe de Gouges ist ein prominentes Beispiel für eine Feministin des 18. Jh., die sich ihre Schreib- und Sachkenntnisse vermutlich durch ein Selbststudium angeeignet hat. Sie verfasste bereits 1791 die „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“. Auch in anderen Teilen Europas lag Revolution in der Luft und der Geist der Aufklärung breitete sich aus. Im deutschsprachigen Raum begannen sich vor allem während der Kriege gegen Napoleon, Anfang des 19. Jh., Frauen zu organisieren und sich mit ihren Möglichkeiten an den Befreiungskämpfen zu beteiligen.

Der Wunsch nach einer neuen Gesellschaftsordnung wurde größer und so hatten manche politischen Gruppen zur Zeit der 48er-Revolution einen Frauenanteil von 40%. Die Frauenrechtlerin Louise Otto-Peters soll 1843 gesagt haben: „Die Teilnahme der Frau an den Interessen des Staates ist nicht ein Recht, sondern eine Pflicht.“ Mancherorts soll es im Kampf gegen die Obrigkeit sogar eigens von Frauen gegründete Korps gegeben haben. Vor allem Arbeiterinnen demonstrierten und waren an den Aufständen der Republikaner beteiligt. Nachdem die 48er-Revolution niedergeschlagen wurde, kamen viele der aufständischen Frauen ins Gefängnis und Frauenorganisationen wurden aufgelöst. Doch die Eindrücke dieser emanzipatorischen Zeit blieben und wurden literarisch und journalistisch verarbeitet und für die Nachwelt konserviert.

Aufbau der ersten Welle

Doch auch Verhaftungen und das zeitweise Verbot von Frauenvereinen konnten den Aktionismus einiger Frauen nicht mehr brechen. Louise Otto-Peters vertrat weiterhin ihre Rolle als Frauenrechtlerin und konnte 1865 zusammen mit Auguste Schmidt den ersten Frauenbildungsverein in Leipzig gründen. Dort fand im selben Jahr die ersten Frauenkonferenz statt. Hier wurde der ‚Allgemeine Deutsche Frauenverein‘ gegründet, von dem aus sich im gesamten Kaiserreich weitere Ableger bildeten. Damals hatten Frauen nur sehr begrenzte Möglichkeiten, einen Beruf zu ergreifen. Aber genau hier lag eine der größten Forderungen der Zeit: Die Frauenarmut stieg Ende des 19. Jh. stark an und neue Bereiche der Erwerbstätigkeit sollten für Frauen geöffnet werden. Auch bessere Bildungschancen standen damals auf der Agenda der Feminist*innen. Erstmal ging es darum, dass junge Mädchen überhaupt eine grundlegende Schulbildung erhielten. Bis dahin wurden sie, wenn sie überhaupt zur Schule gingen, weniger auf die Berufstätigkeit als auf die Ehe vorbereitet. Zumindest galt das für Mädchen des Bürgertums.

Die noch junge Frauenbewegung teilte sich zu diesem Zeitpunkt bereits in Interessenströmungen auf. Denn für Frauen der Arbeiterklasse ging es bei der Schulbildung nicht nur darum, die Möglichkeit zu erhalten, an Kunst und Kultur teilhaben zu können, sondern nicht mehr nur die am schlechtesten bezahlten, außerhäuslichen Arbeiten aufnehmen zu müssen. Doch aufgesplittert in kleinste Interessensgruppen konnte kein gesellschaftlicher Wandel initiiert werden, das war auch den damaligen Aktivist*innen klar. Daher wurden, nachdem das Verbot im Deutschen Reich wieder aufgehoben wurde, feministische Gruppen und Verbände gegründet, in denen Anhänger*innen verschiedener Strömungen zusammen arbeiten konnten. Als Beispiel sei der Deutsche Verein für Frauenstimmrecht genannt, der 1902 von Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann gegründet wurde. Zur Jahrhundertwende nahm die Bewegung an Fahrt auf und es konnte unter anderem erwirkt werden, dass Frauen ab 1899 an deutschen Universitäten zugelassen wurden und 1908 die Preußische Mädchenschulreform verabschiedet wurde. Da es im Bildungsbereich endlich zu Verbesserungen kam und der Aktivismus der Frauenrechtler*innen Früchte trug, wurde der Aufwind genutzt, um in den darauffolgenden Jahren weiter für das Frauenwahlrecht zu kämpfen.

Führerinnen der Frauenbewegung in Deutschland 1894

Das Frauenwahlrecht

Während des ersten Weltkriegs engagierten sich die Frauenvereine erneut an der sogenannten Heimatfront und halfen vor allem Müttern, die ihre Familien nun alleine versorgen mussten. Forderungen nach rechtlicher Gleichstellung wurden vorerst hinten angestellt. Nach dem Ende des Kriegs und der Revolution im November 1918 wurde die Arbeit jedoch zügig wieder aufgegriffen. Nachdem die Monarchie gestürzt war, verabschiedete der daraufhin eingesetzte Rat der Volksbeauftragten das Gesetz, welches die Wahlen zur Nationalversammlung regelte. Hierin wurde bestimmt, dass alle Bürger*innen ab dem 21. Lebensjahr das aktive und passive Wahlrecht zugesprochen bekommen sollten. Das Frauenwahlrecht, der Höhepunkt der ersten feministischen Welle, war erreicht.

Auch an dieser Stelle passt das Bild der Welle sehr gut, denn die Bewegung brach in der Folgezeit, nach ihrem Höhepunkt, mehr oder weniger zusammen. Da nun die formale politische Gleichstellung der Frau erwirkt war, sahen jüngere Generationen in den 1920er-Jahren vermeintlich nicht mehr so stark die Notwendigkeit darin, die Bewegung fortzuführen. Die Mitgliederzahlen der Frauenvereine gingen stark zurück. Manche wollten womöglich nach Jahren des Kämpfens etwas zur Ruhe kommen, andere waren noch zu jung und kannten die Welt vor der gesellschaftlichen Neuordnung ab 1918 gar nicht. Während der Weimarer Republik, also bis 1933, gab es insgesamt 111 weibliche Abgeordnete im Reichstag. Vielleicht verließen sich auch manche Bürger*innen darauf, dass die Parlamentarier*innen ihre Interessen nun, ohne Zutun der Zivilgesellschaft, ausreichend vertreten würden. Dieses Phänomen sollte sich ca. 30 und nochmal 80 Jahre später in ähnlicher Form wiederholen.

Broschuere Deutscher Verband für Frauenstimmrecht 1907

Neues Frauenbild der Goldenen Zwanziger?

Obwohl die Frauen im Reichstag von ihren männlichen Kollegen vornehmlich anerkannt wurden, blieb ihnen der Zugang zu Ressorts wie Wirtschaft und Finanzen versperrt. Diese blieben weiterhin Männerpolitik, wohingegen andere Bereiche zu ‚Weiberkram‘ deklassiert wurden. Das umfasste auch die Verabschiedung der ‚Frauengesetze‘: Frauen durften erstmals Rechtsanwältin und Richterin werden (1922), Mindestlöhne und Sozialversicherungen für Heimarbeiterinnen wurden eingeführt (1924), der Mutterschutz wurde erweitert (1927) und das Reichsgesetz zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten machte die nicht-gewerbsmäßige Prostitution straffrei. Dennoch gab es auch im Arbeitsrecht noch viele Benachteiligungen von Frauen. So blieb das ‚Beamtinnen-Zölibat‘, während der Weimarer Republik und darüber hinaus bestehen. Das bedeutete, dass weibliche Beamte nicht heiraten oder uneheliche Kinder bekommen konnten, ohne als Folge ihren Dienst aufgeben zu müssen.

In der Popkultur, damals wie heute, wird oft das Motiv der jungen, urbanen Frau der 20er-Jahre, mit Bubikopf und flatternden Kleidern, verwendet. Sicherlich gab es auch genau solche Frauen, aber die Zwanziger waren eben nicht nur golden, vor allem nicht für Arbeiterinnen, die nun häufig mit der Erwerbstätigkeit und dem Haushalt einer Doppelbelastung ausgesetzt waren. Viele Männer hatten den Krieg nicht überlebt oder sie kamen schwer verletzt zurück und mussten zusätzlich versorgt werden. Mitte der 20er gab es 1,5 Millionen erwerbstätige Frauen. Den größten Anteil stellten Arbeiterinnen der unteren Klasse, hochqualifizierte Akademikerinnen gab es nur sehr wenige. Die nicht-berufstätige Mutter und Ehefrau blieb jedoch das Idealbild.

1920
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Trotz positiven Entwicklungen, wie beispielsweise dem Ablegen des Korsetts und damit einhergehender Steigerung der Bewegungsfreiheit, haben insgesamt nur wenige Frauen vom zaghaften Versuch, die Geschlechterrollen aufzubrechen, individuell profitiert. Außerhalb der Metropolen herrschte noch ein konservativeres Weltbild und die Menschen hatten, spätestens mit der Weltwirtschaftskrise 1929, wohl andere Sorgen als Geschlechterrollen und Feminismus. Mit der Machtübernahme des NS-Regimes sollte sich dann kurze Zeit später offenbaren, wie vergänglich und fragil der Aufbruch in eine emanzipiertere Zukunft für die Frauen jener Zeit gewesen ist.

"Es giebt keine Freiheit der Männer, wenn es nicht eine Freiheit der Frauen giebt. Wenn eine Frau ihren Willen nicht zur Geltung bringen darf, warum soll es der Mann dürfen."

Hedwig Dohm 1876, feministische Schriftstellerin

Die NS-Zeit und das Ende der ersten Welle

Am faschistischen Umsturz und der damit einhergehenden Zerstörung der Demokratie bricht der ‚Rest‘ der ersten Feminismus-Welle gänzlich. Nach der Machtergreifung der Nazis wurden Frauenvereine dazu aufgefordert, sich in den totalitären Apparat einzugliedern und sich der NS-Ideologie unterzuordnen – oder sich aufzulösen. Im Mai 1933 löst sich der ‚Bund Deutscher Frauenvereine‘, der bis dahin älteste Dachverband der bürgerlichen Frauenbewegung, in einer Eilsitzung auf und beendet damit auch die Mitgliedschaft in internationalen Verbänden. Christliche Frauenorganisationen zogen sich in die Kircheninstitutionen zurück, um nicht gleichgeschaltet zu werden. Der Jüdische Frauenbund wirkte noch bis zum Verbot 1938 weiter. Die NS-Frauenorganisation übte vor allem Kritik an den Forderungen der bürgerlichen und proletarischen Feminist*innen nach rechtlicher und gesellschaftlicher Gleichstellung. Für sie war das Ziel, ein Geschlechtsmodell zu festigen, in welchem die Unterschiede hervorgehoben wurden und jedes Geschlecht einen eigenen Wirkungsbereich zugewiesen hatte. Damit einher ging die Anerkennung des Mannes als ‚Entscheider‘ und Familienoberhaupt, wohingegen die Frau als Hauswirtschafterin und Mutter die Entscheidungen des Mannes in ihrem ‚weiblichen Wirkungsbereich‘ ausführen sollte. Dass dieses Konstrukt eher dazu diente, Kontrolle auszuüben und weniger auf tatsächlichen Überzeugungen beruhte, zeigte sich während des Zweiten Weltkriegs. Da wurden Frauen wiederum dazu angeworben, im Kriegsdienst ihre Arbeitskraft einzusetzen. Im Oktober 1945 wurden die NS-Frauenvereine zusammen mit der NSDAP durch den Rat der Alliierten aufgelöst und verboten.

Am Beispiel der NS-Frauenorganisation lässt sich verdeutlichen, dass es Bewegungen gibt, die zwar vordergründig für Frauen da sind, jedoch als antifeministisch eingestuft werden können. Die ‚Frauenorganisation‘ der Nazis hielt ein bestimmtes Frauenbild nicht nur für erstrebenswert, sondern wollte es mit Zwang umsetzten und zur Maxime machen. Die Einschränkung der Entscheidungsfreiheit sowie die Unterdrückung anderer Ansichten und Lebensmodelle ist nicht mit der Gleichberechtigungs-Bewegung zu vereinbaren.

Not that long ago - Von der Ebbe zur nächsten Flut

Die zweite Frauenbewegung in Westdeutschland

Nach der Befreiung Deutschlands im Mai 1945 zeigte sich schnell, dass der Funke der ursprünglichen Frauenbewegung auch durch die Nazi-Propaganda nicht ausgelöscht werden konnte. Nun wollten Frauen wieder verstärkt die Gunst der Stunde auch für ihre Anliegen nutzen. Sie beteiligten sich nicht nur am tatsächlichen Wiederaufbau, sondern gestalteten auch den gesellschaftlichen Wandel der Nachkriegsjahre mit. Für Feminist*innen hieß dies, das Ziel der Gleichberechtigung weiter zu verfolgen. Schon wieder stand die Frauenbewegung an einem Punkt, wo sie sich erst einmal sammeln und für ihre Anliegen werben musste. Gemeinsam mit der Militärregierung wurden im Rahmen der ‚Entnazifizierung‘ Konzepte entwickelt, um besonders den deutschen Frauen durch politische Bildungsarbeit ein Demokratieverständnis zu vermitteln. Diese Bildungsarbeit wurde durch Frauenausschüsse ausgeführt und war strikt überparteilich. Eine Frau, die sich zu dieser Zeit besonders für Frauenrechte einzusetzen versuchte, war die Juristin, Sozialdemokratin und Abgeordnete des Parlamentarischen Rats Dr. Elisabeth Selbert. Sie erreichte, gemeinsam mit dem außerparlamentarischen Wirken der Frauenverbände, dass 1949 die Gleichberechtigung von Mann und Frau in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen wurde. Laut Dr. Selbert hatte Artikel 3 Absatz 2 einen revolutionären Charakter. Festgehalten auf einer Tonbandaufnahme, sagte sie später rückblickend auf diese Zeit: „Ich hatte nicht geglaubt, daß 1948/49 noch über die Gleichberechtigung überhaupt diskutiert werden müßte und ganz erheblicher Widerstand zu überwinden war!“ Alle Regelungen und Gesetze mussten in den darauffolgenden Jahren mit dem Gleichberechtigungsprinzip abgestimmt und gegebenenfalls angepasst werden. Dies hatte auch eine grundlegende Reform des Ehe- und Familienrechts zur Folge. Doch bis dahin war es noch ein mühsamer Weg für Frauenrechtler*innen. Bis die praktische Gleichberechtigung auch im Bürgerlichen Gesetzbuch aufgenommen wurde, sollten nochmal knapp zehn Jahre vergehen.

Nachdem die Frauenverbände bis 1950 stetig Mitglieder dazu gewonnen hatten, ebbte diese feministische Mini-Nachkriegs-Welle vorerst wieder ab. Einerseits verpasste der nun drohende Kalte Krieg der Bewegung einen Dämpfer, da es zum Ausschluss kommunistischer Mitglieder und damit zu Spaltungen kam. Selbst manche Vereine, die sich lediglich für Frieden und gegen das Aufrüsten aussprachen, wurden wegen Kommunismus-Verdachts angeklagt. Andererseits kam es Anfang der 50er zum erneuten Einschlafen der Bewegung, aus dem selben Grund wie bereits dreißig Jahre zuvor: Viele Frauen schienen weiteren Aktivismus als überflüssig zu empfinden, nachdem ihre rechtliche Gleichberechtigung ins Grundgesetz aufgenommen wurde. Die Geschichte sollte sich wiederholen, denn von praktischer Gleichberechtigung konnte in der jungen BRD noch keine Rede sein. Die noch aktiven Teile der Frauenverbände wirkten in den darauffolgenden Jahren weiter, davon drang jedoch kaum etwas an die Öffentlichkeit. Vor allem Jurist*innen versuchten, mit Hilfe von Petitionen die zivilrechtliche Umsetzung des Gleichberechtigungsprinzips durchzusetzen. Doch gerade weil die Diskrepanz zwischen gesetzlicher und praktischer Gleichstellung auch nach der Aufnahme des Gleichberechtigungsgesetz in das BGB noch so groß war, stieg in den 1960er-Jahren erneut das Problembewusstsein der deutschen Frauen. Dieses sollte die Grundlage der Neuen oder Zweiten Frauenbewegung Ende der 60er bilden.

"Männer und Frauen sind gleichberechtigt."

Grundgesetz Artikel 3 Absatz 2, BRD 1949

Das Ringen der Jurist*innen und Frauenrechtler*innen sollte jedoch Früchte tragen, trotz der Abwesenheit einer gesellschaftlichen Bewegung: Knapp zehn Jahre, nach dem die Gleichberechtigung gegen alle Widerstände im Grundgesetz festgeschrieben wurde, sollte es nun auch endlich zur Reform des bürgerlichen Rechts kommen. Das hatte auch schon das Bundesverfassungsgericht gefordert. In den 1950er-Jahren wurden daher lange Debatten darüber geführt, wie das Zivilrecht angepasst werden konnte. Unter anderem die CDU/CSU-Fraktion wollte im neuen Gesetzesentwurf den sogenannten „Stichentscheid“ beibehalten, der dem Ehemann die Entscheidungsgewalt darüber gesichert hätte, ob seine Frau erwerbstätig sein durfte. Am Ende kam es zu einem schwammigen Kompromiss: Frauen sollten auch gegen den Willen des Mannes arbeiten gehen, aber nur unter der Voraussetzung, dass sie ihre Pflichten als Hausfrauen nicht vernachlässigen würden. Im Gesetzestext hieß es: „Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist“. Weitere gesetzliche Neuerungen waren darüber hinaus, dass Frauen ein eigenes Konto eröffnen durften und dass sie durch die Regelung der Zugewinngemeinschaft vor Altersarmut geschützt werden sollten, da nun der während der Ehe erwirtschaftete Besitz im Fall der Scheidung aufgeteilt werden musste.

Die 'Neue Frauenbewegung' kommt ins Rollen

Ein Grund dafür, warum die Bewegung Ende der 60er dann doch wieder an Fahrt aufnahm und sich wieder mehr Frauen beteiligten, waren unter anderem einige aufsehenerregende und von manchen als skandalös empfundene feministische Aktionen. Eine davon ereignete sich auf der Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) im Jahr 1968. In dieser Zeit hatte die Studentenbewegung ihre Hochphase. Ziele der Bewegung waren unter anderem die Aufklärung über die NS-Zeit, mehr sexuelle Selbstbestimmung und Emanzipation der Gesellschaft vom Kapitalismus. Obwohl sich die Ziele teilweise überschnitten und auch manche Feminist*innen Teil der 68er-Bewegung waren, wurde immer stärkere Kritik laut. dass die männlich geprägte Bewegung die Gleichberechtigung der Frau nicht genug mit einbezieht. Daher hielt Helke Sander auf besagter SDS-Konferenz eine Rede und konfrontierte die männlichen Teilnehmer dort mit dem Vorwurf, dass sie die Diskriminierung der Frau ignorieren würden. Als die Rede im Anschluss nicht diskutiert wurde, sondern zur Tagesordnung übergegangen werden sollte, warf Sigrid Rüger als Zeichen ihres Protests Tomaten in Richtung des Vorstandstisches. Ob die Aktion geplant war, ist nicht klar. Nichtsdestotrotz löste ‚der Tomatenwurf‘ eine deutschlandweite Aktions-Welle von Frauengruppen in Universitätsstädten aus, um auf die bestehenden Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen.

„Genossen, wenn ihr zu dieser Diskussion [...] nicht bereit seid, dann müssen wir allerdings feststellen, dass der SDS nichts weiter ist als ein aufgeblasener konterrevolutionärer Hefeteig. Die Genossinnen werden dann die Konsequenzen zu ziehen wissen.“

Helke Sander in ihrer Rede vor dem SDS, 1968

Ein weiteres Ereignis, welches später ebenfalls als Startschuss der Neuen Frauenbewegung genannt werden sollte, ist das Erscheinen der Stern-Ausgabe ‚Wir haben abgetrieben‘ im Jahr 1971. 374 Frauen standen in dem Beitrag dazu, dass sie illegalerweise Abtreibungen hatten vornehmen lassen. Initiiert wurde die Aktion von der Journalistin und bekannten Feministin Alice Schwarzer. Die Idee kam aus Frankreich, wo es bereits solche Aktionen gegeben hatte. Auch Prominente, wie die berühmte Schauspielerin Romy Schneider, waren mit ihren persönlichen Geschichten vertreten. Zudem war Schneider eine der Frauen, deren Portraits auf dem berühmten Cover des Magazins abgedruckt wurden. ‚Wir haben abgetrieben‘ hatte eine Debatte in der deutschen Gesellschaft ausgelöst, woraufhin sich mehrere Aktionsgruppen formierten, welche die Streichung des §218 aus dem StGB forderten. Laut den Aktivist*innen sollten Schwangerschaftsabbrüche zudem nur noch von Fachärzt*innen vorgenommen werden, Abtreibungen und die Pille von der Krankenkasse übernommen werden und Sexualaufklärung sollte auch die Bedürfnisse der Frau beinhalten. Das Besondere an dieser Protestbewegung war, dass Frauen aus allen Schichten zusammen kamen und für Selbstbestimmung demonstrierten: Student*innen und Arbeiter*innen, Mütter oder kinderlose Frauen waren an den Demonstrationen beteiligt. Die Abschaffung des §218 konnte nicht erreicht werden, noch heute ist dies eine Forderung der Feminist*innen. Dennoch gab es einen Teilerfolg, da 1974 die faktische Fristenregelung eingeführt wurde. Dieses Gesetz, welches 1993 nochmals überarbeitet wurde, hatte zur Folge, dass bis heute Schwangerschaftsabbrüche innerhalb von 12 Wochen nach der Befruchtung als rechtswidrig betrachtet werden können, jedoch nicht strafrechtlich verfolgt werden.

Bundesarchiv B 145 Bild-F079098-0013, Göttingen, Demonstration gegen § 218

Der gemeinsame Protest verschiedenster Frauen bildete die Grundlage für die nächsten Jahre. Mitte der 70er-Jahre kam es vor allem zur Organisation von Frauen in sogenannten ‚Freiräumen‘, wo sie sich autonom und ohne Einfluss von Männern über ihre persönlichen Erfahrungen austauschen sollten. In dieser Zeit wurde auch die Tradition der Frauenbewegung wiederentdeckt. Die Feminist*innen der Neuen Frauenbewegung sahen verstärkt eine Notwendigkeit darin, die Geschichte der Frau wissenschaftlich aufzuarbeiten. Feministische Wissenschaftler*innen erforschen zu dieser Zeit unter anderem auch die Ursachen für die Benachteiligung des ’schwächeren Geschlechts‘ und allgemein Sexismus und Geschlechterrollen im Sinne eines sozialen Konstrukts. Frauen und besonders ihre Geschichte und Erfahrungen fanden bis dahin kaum in der Wissenschaft statt, der Mann wurde häufig als Norm-Mensch herangezogen.

Für die Feminist*innen an der Basis ging es in den 70ern hauptsächlich um Themen, die sie selbst betrafen oder betreffen konnten. Eine intersektionale Perspektive war höchstens in der Forschungsarbeit mancher Wissenschaftler*innen zu finden. In der breiten Bewegung war beispielsweise die Doppel-Diskriminierung von BIPoC-Frauen kaum ein Thema. Für die vornehmlich Weiße Bewegung in Westdeutschland ging es hauptsächlich darum, dass Frauen i.d.R. weniger verdienten, dem Ehemann nicht gleichgestellt waren und doch die Hauptverantwortung für den Haushalt und die Kinderbetreuung, meist neben einer Erwerbstätigkeit, hatten und ihnen der Zugang zu Führungspositionen größtenteils verwehrt blieb. Eigentlich sollte die rechtliche Gleichberechtigung mit der Anpassung des BGB 1958 auch praktisch umgesetzt werden. Doch erst 1977 wurde das Ehe- und Familienrecht dahingehend reformiert, dass es keine Einschränkungen für die Erwerbstätigkeit der Frau geben und „die Ehegatten […] die Haushaltsführung im gegenseitigen Einvernehmen“ regeln sollten. Ein Blick in die Zukunft offenbart, dass erst knapp zwanzig Jahre später, im Jahr 1994, auch das Grundgesetz im Sinne wahrhaftiger Gleichberechtigung überarbeitet wurde. Artikel 3 Absatz 2 lautet seither: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

Die Feminist*innen der 70er-Jahre sahen, etwas anders als ihre Vorgängerinnen um die Jahrhundertwende, das Private als politisch an. Das zeigte sich darin, dass die persönlichen Erfahrungen, der Wunsch nach Selbstbestimmung und die weibliche Sexualität wichtige Themen wurden. Gewalt an Frauen geriet immer stärker in den Diskurs und 1976 wurde in diesem Zusammenhang das erste Frauenhaus gegründet, um von Gewalt bedrohten Frauen eine sichere Anlaufstelle zu bieten. Das Private mag politisch sein, vor allem ist es, trotz aller Gemeinsamkeiten und Parallelen, sehr individuell. Daher war eine andere Facette des Feminismus der 70er und 80er die erneute Ausdifferenzierung der Bewegung. Beispielsweise gründeten sich bereits 1972 die ersten offiziellen Lesben-Gruppen und brachten ihre Perspektive mit ein. Das erweiterte zwar einerseits den Horizont Einzelner und die Bewegung als Ganzes, andererseits zeigten sich hierin, dass unterschiedliche Wahrnehmungen und Weltanschauungen der Frauen zwangsläufig zu Strömungen oder ‚Feminismen‘ innerhalb des Feminismus führen. Grundsätzlich mag das Ziel – die Gleichstellung der Geschlechter – gleich geblieben sein. Doch gab und gibt es auch heute noch unterschiedliche Meinungen darüber, in welchem Bereich der größte Handlungsbedarf besteht.

"We're never going to come to a moment where all of us who claim to be feminists can agree about what the first priority of feminism is."

Kimberlé Williams Crenshaw, Juristin und Professorin

Die Ausläufer der zweiten Welle

Eine bemerkenswerte Entwicklung gegen Ende der zweiten Welle war, dass der Feminismus in den 80er-Jahren in der BRD von vielen Parteien und Institutionen plötzlich für sich entdeckt wurde. An Universitäten gab es neuerdings ‚Frauenforschung‘ als offiziellen Lehrstuhl, mit den Grünen zog 1983 eine Partei mit feministischem Selbstverständnis in den Bundestag ein und 1986 gab es mit Rita Süßmuth die erste Frauenministerin, nach dem die Regierungspartei CDU ihre Frauenpolitik reformiert hatte. Auch Kirchen und Gewerkschaften setzten sich vermehrt mit Fragen der Gleichstellung der Geschlechter auseinander und reflektierten die damalige Situation. Aktivist*innen waren bemüht, an Entscheidungsprozessen beteiligt zu sein und ihre Autonomie durch die Institutionalisierung nicht einzubüßen. Diese Bemühungen haben jedoch kaum Früchte getragen und in den Folgejahren war es nicht unbedingt die Frauen-Lobby, die bei der Gestaltung der Politik mit einbezogen wurde. Ende der 80er schlief die Feministische Bewegung dann allmählich wieder ein. Die einzelnen aktivistischen Gruppen agierten fortan eher für sich und der kollektive Charakter der Bewegung aus den 70er-Jahren verschwand immer mehr.

In den 90er-Jahren gab es in Fragen der Gleichberechtigung zwar weitere Fortschritte und Frauenrechte wurden mit der Überarbeitung des Grundgesetzartikel 3 und des Zweiten Gleichberechtigungsgesetzes im BGB zwar gestärkt, jedoch gingen diese Reformen nun aus der politischen Arbeit und weniger aus einer gesellschaftlichen Bewegung hervor. Die Forderung, Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe zu stellen, gab es bereits seit etwa 15 Jahren. Die Bundestagsfraktion der Grünen hatte die Debatte Anfang der 80er angestoßen. Zu der Zeit wurde der Vorschlag, das Sexualstrafrecht auch auf den privaten Raum auszuweiten, von einigen Bundestagsabgeordneten noch verlacht und abgetan. Dann, im Jahr 1997, stimmte der Bundestag letztlich dafür, das Gesetz anzupassen und damit wurde auch die Vergewaltigung in der Ehe strafbar. Zwischen damals und heute machte sich die nun bereits aus der Geschichte bekannte ‚Feminismus-Müdigkeit‘ breit. Der Großteil der Gesellschaft und auch der Frauen schien keinen Handlungsbedarf mehr zu sehen, der eine breite feministische Bewegung gerechtfertigt hätte. Öffentlich als Feminist*innen sichtbar waren meist nur noch Galionsfiguren wie Alice Schwarzer, die bis heute die feministische Zeitschrift ‚Emma‘ herausgibt und dann und wann Fernseh- und Zeitungsinterviews gibt. Doch die meisten Bürger*innen konnten mit dem Konzept offenbar nichts mehr anfangen. Im Grundgesetz stand seit 1994 schließlich auch, dass sich der Staat selbst dazu verpflichtet, für die Gleichstellung der Geschlechter einzutreten. Diese Entwicklungen könnten unter anderem dazu geführt haben, dass frühere Anhänger*innen oder Sympathisierende der Bewegung keinen weiteren oder dringenden Handlungsbedarf auf individueller Ebene sahen. Woran es letztlich auch lag, in der öffentlichen Wahrnehmung wurde der Feminismus, wie schon nach den Hochphasen zuvor, als verstaubt abgetan.

"Ich motze immer über Feministinnen, obwohl ich selbst eine bin. […] Aber mein Problem mit Feministinnen im Moment ist, dass das alles in einer Person verkörpert wird — in Alice Schwarzer. […] Ich kann mit dieser Person überhaupt nichts mehr anfangen. Ich finde es für den Feminismus schlecht, dass Alice Schwarzer das so an sich reißt."

Charlotte Roche in einem Playboy-Interview

What's next? - Von Alltagssexismus & Online-Aktivismus

Gleichberechtigung auf dem Weg ins 21. Jahrhundert

Im neuen Jahrtausend wurden dank der Vorarbeit der Neuen Frauenbewegung, der unermüdlichen Arbeit der weiterhin aktiven Feminist*innen und der Selbstverpflichtung zu mehr Gleichberechtigung in Politik und Teilen der Gesellschaft weitere Meilensteine erreicht. Ende der 1990er-Jahre klagte Tanja Kreil, weil sie für einen aktiven Dienst in der Bundeswehr abgelehnt wurde. Bis dahin durften Frauen dort nur im medizinischen und musikalischen Bereich tätig sein. Doch die Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt war längst gesetzlich verankert und zudem EU-Richtlinie. Dem Europäischen Gerichtshof wurde die Klage ‚Kreil gegen die Bundesrepublik Deutschland‘ 1998 dann auch vorgelegt und dieser entschied im Jahr 2000, dass auch Frauen in den aktiven Dienst, also auch den Kampfdienst an der Waffe zugelassen werden müssen. Dies wurde vom Verwaltungsgericht in Hannover bestätigt und im Januar 2001 traten die ersten weiblichen Soldatinnen ihren Dienst in der Truppe an. Tanja Kreil war jedoch keine von ihnen, sie hatte sich letztendlich doch für einen anderen Arbeitsplatz entschieden, mit ihrer Klage hat sie Geschichte geschrieben. Teile der CDU/CSU übten Kritik an der Entscheidung des Gerichts. Vordergründig nicht, weil dadurch Frauen auch in der Bundeswehr gleichberechtigt wurden, sondern weil befürchtet wurde, dass Europa zu viel Einfluss auf die deutsche Innenpolitik nehmen könnte. Im Zuge dieser Kritik sagte der damalige bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) gegenüber dem Focus Magazin: „Demnächst wird die Gleichstellungsrichtlinie erzwingen, dass der nächste Bundeskanzler eine Frau ist“ (Ausgabe 3/2000). Glücklicherweise war dafür kein Zwang notwendig, denn ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Feminismus war sicherlich auch, dass Angela Merkel im Jahr 2005 die Wahl zum deutschen Bundeskanzler gegen Gerhard Schröder gewann und somit die erste Bundeskanzlerin wurde.

Auch über diese Entwicklung kann man unterschiedlicher Meinung sein: Einerseits tut sich etwas und der Staat hat seine Selbstverpflichtung nicht vergessen. Andererseits wissen wir nun aus der Geschichte, dass gesetzliche Reformen immer erst die Grundlage bilden und der gesellschaftliche Wandel sich meistens erst später einstellt. Für viele Aktivist*innen und Betroffene von Diskriminierung geht diese natürliche Entwicklung nicht schnell genug. Frauen sind heutzutage qualifizierter denn je und doch lag der Frauenanteil in Führungspositionen 2018 bei 22,6%, im Bundestag liegt der Anteil im Januar 2021 bei 31%. Dieser Zustand führte zur Debatte um eine Frauenquote, die als Hebel für mehr – und vor allem schnellere – Chancengerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt sorgen soll.

#MeToo löst Debatten aus

Dieses Thema steht heute zwar auch wieder, oder noch, auf der Agenda, doch ein anderer Bereich, welcher schon die Feminist*innen der 1970er-Jahre bewegt hat, hat die sinnbildliche dritte Welle erst richtig ins Rollen gebracht: sexuelle Gewalt, vor allem an Frauen. Das Thema wurde mit #MeToo 2017 in die breite Öffentlichkeit getragen. Frauen auf der ganzen Welt berichteten über ihre Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch und Belästigung, nachdem der US-amerikanische Filmproduzent Harvey Weinstein von mehreren Frauen aus der Filmbranche der sexuellen Belästigung und Nötigung beschuldigt wurde. Der Hashtag war jedoch nicht neu. Tarana Burke, eine Schwarze US-amerikanische Aktivistin, verwendete ihn bereits 2006 auf MySpace, um andere BIPoC-Frauen zu bestärken, dass sie mit ihren Erfahrungen von sexueller Gewalt nicht alleine sind. Am 15. Oktober 2017, nachdem der Weinstein-Skandal an die Öffentlichkeit kam und nun auch weitere hochrangige Personen aus Hollywood des sexuellen Missbrauchs bezichtigt wurden, rief die Schauspielerin Alyssa Milano auf Twitter sozusagen alle Frauen dazu auf, ihre eignen Erfahrungen zu teilen. An diesem Tag wurde #MeToo bereits 200.000 und am darauffolgenden eine halbe Million Mal verwendet. Der Hashtag trendete in kürzester Zeit in ca. 85 Ländern. In Deutschland kam das Hoch im Januar 2018, nachdem die Vorwürfe gegen den Filmemacher Dieter Wedel publik wurden. Milanos Absicht – die Ausmaße sexuellen Missbrauchs aufzuzeigen – war von Erfolg gekrönt und #MeToo war monatelang Thema in den Medien. Gerade weil so viele Personen in Machtpositionen öffentlich-wirksam beschuldigt wurden, wurden eben diese und die dahinterstehenden Strukturen hinterfragt. Die Empörung der Öffentlichkeit war groß und viele Missbrauchs-Vorwürfe führten zu Konsequenzen. Ein prominentes Beispiel ist der Skandal um den Schauspieler Kevin Spacey, der als 26-Jähriger den damals 14-Jährigen Anthony Rapp bedrängt haben soll. Auf die Äußerungen Rapps hin meldeten sich acht weitere Männer mit ähnlichen Vorwürfen gegen Spacey. Daraufhin kündigte Netflix die Zusammenarbeit mit dem „House of Cards“-Darsteller.

Der Hashtag hat gewissermaßen hervorgebracht, was vorher seit Jahrzehnten unter den Teppich gekehrt wurde. Durch die Masse der bekanntgewordenen Fälle und die Solidarität auf Social Media fanden viele Überlebende von sexueller Gewalt endlich den Mut, ihre Geschichte zu erzählen. Damit ist gewissermaßen ein Damm gebrochen und auch in anderen Bereichen der Gesellschaft wurde seither verstärkt auf Sexismus geschaut und reagiert.

"For too long women have not been heard or believed if they dared to speak their truth to the power to those men. But their time is up. Their time is up!"​
Oprah Winfrey bei den Golden Globes am 8. Januar 2018

Feminismus 2.0 im Web

Auch früher haben Feminist*innen bereits Tabus über Bord geworfen. Heute scheint dies jedoch eine andere Dimension anzunehmen, denn im Web können sich Menschen aus allen Teilen der Welt in Sekundenschnelle austauschen. Bewegungen innerhalb des feministischen Spektrums können, wie es bei #MeToo war, innerhalb eines Tages Hunderttausende erreichen. In sozialen Netzwerken wird diskutiert, aufgeklärt und auch Aktionen können in Windeseile organisiert und verbreitet werden. Auch hier passt der Ausdruck ‚Feminismus 2.0‘ gut, denn der ‚Netz-Feminismus‘ und die daraus entstehenden Optionen geben der Bewegung eine neue Plattform und deutlich mehr Möglichkeiten, sich zu entfalten. Feministische Bewegungen im Netz können beispielsweise aus vielen kleinen Aktionsgruppen, Strömungen, Vereinen und Influencer*innen bestehen.

Ein Beispiel für den Einfluss des Webs sind die autonom agierenden Aktionsgruppen ‚Catcalls Of‘. Worum es sich dabei handelt, wird weiter unten in diesem Beitrag in der Podcast-Folge „Cat-Calling“ erklärt. Soviel vorweg: Unter dem Begriff, der frei übersetzt so viel wie ‚Katzen-Lockrufe‘ bedeutet, wird jegliche Art verbaler, sexueller Belästigung in Form von Worten und Geräuschen zusammengefasst. Ein Verhalten, das rückblickend wohl seit jeher benutzt wurde, um Frauen anzumachen, zu belästigen oder gezielt einzuschüchtern. Doch was früher stillschweigend hingenommen wurde, weil ‚frau‘ vielleicht nicht als anstrengend oder frigide gesehen werden wollte, wird heute nicht mehr hingenommen. Betroffene jeden Geschlechts und Aktivist*innen schließen sich zusammen, um aufzuklären und gegen dieses belästigende Verhalten vorzugehen.

Die US-Amerikanerin Kimberlé Williams Crenshaw repräsentiert ebenfalls, wie Feminismus im Web fortgeführt wird. Die 61-jähirge Juristin und Professorin veröffentlich ihre Erkenntnisse nicht nur in wissenschaftlichen Arbeiten, sondern auch auf Twitter.  Crenshaw gilt als eine Begründerin des intersektionalen Feminismus wie wir ihn heute kennen. Mit ihren knapp 150.000 Follower*innen teilt sie Gedanken wie: „When people tell me that intersectionality marginalizes class, I say no, intersectionality is what we need to understand why it’s been so difficult to mount a fully class-centric movement.“ Unterhalb des Tweets können andere User*innen ihr zustimmen, widersprechen oder Fragen stellen, die von Crenshaw oder anderen Menschen direkt beantwortet werden können.

Neues Selbstverständnis

Und nicht nur die Reichweite hat sich heutzutage verändert, auch die Bandbreite der Menschen, die im Feminismus 2.0 mit einbezogen werden, und gewisse Bezeichnungen haben sich verändert. Die Rede ist schon längst nicht mehr von der ‚Frauenbewegung‘, weil es eben nicht mehr nur um Cis-Frauen und überhaupt Frauenrechte geht. Das, was Anita Augspurg im 19 Jh. sinngemäß gesagt hat, – Frauenrechte sind Menschenrechte – gilt auch heute noch. Oder vielleicht heute noch mehr denn je, weil nicht mehr nur von Mann und Frau, also dem binären Geschlechtersystem ausgegangen wird und wir jetzt wissen, dass es einen Unterschied zwischen sozialem und biologischen Geschlecht gibt. Und sicherlich auch, weil intersektionaler Feminismus, der die Erfahrungen von Menschen verschiedener Herkunft, Ethnie und Klasse mit einbezieht, wohl die stärkste Strömung in der aktuellen Gleichberechtigungsbewegung darstellt. Letztendlich muss man sich vor Augen führen, dass alle davon profitieren, wenn niemand mehr diskriminiert wird. Und wenn es doch zu Diskriminierungen kommen sollte, zumindest alle Leute drumherum die Zivilcourage besitzen, sich auf die Seite der diskriminierten Person zu stellen. Und im Grunde war es auch schon das, was Hedwig Dohm 1876 darüber gesagt hat, dass Männer nicht frei sein können ohne die Freiheit der Frauen. Denn auch Männer sind im bestehenden patriarchalen System nicht vollkommen frei und häufig gefangen in Rollenbildern, die erfüllt werden sollen. Das Stichwort zu diesem Thema lautet: ‚toxische Maskulinität‘. (Mehr dazu im Beitrag „Toxische Maskulinität“, Link am Ende der Seite)

Wenn man sich die letzten Jahre und die Themen, die sich dauerhaft in den Medien-Blasen halten, anschaut, wird deutlich, dass Feminismus heutzutage wieder sehr präsent ist. An welcher Stelle der dritten feministischen Welle wir uns befinden und wie sich die Bewegung dieses Mal entwickeln wird, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Ob wir in ein paar Wochen, Monaten oder Jahren des Themas wieder überdrüssig sind und zur Tagesordnung übergehen wollen, wie damals die SDS-Führung, kann keine*r so genau sagen. Aber mit Blick auf die wachsende Online-Feminismus-Bewegung ist es wohl unwahrscheinlich, dass das Thema demnächst wieder in der Bedeutungslosigkeit versinken wird. Und falls es doch so sein sollte, halten sicherlich einige Feminist*innen die, zumindest digitalen, Tomaten bereit, um darauf aufmerksam zu machen. Denn mit Blick auf die noch offenen Themen und Bereiche, in der unsere Gesellschaft noch nicht alle Geschlechter gleichberechtigt behandelt, wir klar: Feminismus ist noch längst nicht abgehakt. Vermutlich bleibt es Wunschdenken, dass sich Menschen darauf einigen, auf der Welle zu reiten, statt erst von ihr mitgerissen werden zu müssen. Zumindest geht es auf die ein oder andere Weise immer weiter und die Strömung wird wohl stark bleiben, bis vielleicht sogar der letzte Rest Diskriminierung weggespült werden konnte.

Podcast

mit Stina Wirth

In dieser Folge spreche ich mit Danja über die Geschichte der Frauenbewegung, deren Hintergründe und unterschiedlichen Strömungen. Wir reden über Intersektionalität und welche Frauen aus dem öffentlichen Raum uns bis heute prägen.

Erwähnungen: Oprah Winfrey, Michelle Obama, Miley Cyrus, Billie Eilish Interview, Billie Eilish, Sophie Passmann, Rebel Wilson’s Rede, Rebel Wilson, Sprache und Sein, Kübra Gümüşay

Maresa hat im letzten Jahr den Instagram-Account #catcallsofcgn gegründet. Ich spreche mit ihr über Sexismus im Alltag und ihre Beweggründe, sich aktiv gegen sexistische Äußerungen auszusprechen.

Erwähnungen: catcallsofcgn, catcallsofnyc, Alli Neumann’s Beitrag, Alli Neumann

Wenn du einen Account gründen möchtest, dann registriere dich hier.

Ich spreche mit Danja über toxische Maskulinität, die Frauenbewegung #JaheißtJa und damit einhergehenden Feminismus-Sex und über Verhütung und was uns im Sexualunterricht nicht beigebracht wurde und wir erst im Laufe unseres Lebens lernen mussten.

Erwähnungen: Untenrum frei, Margarete Stokowski , Sex Education auf NETFLIX

Eine Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) aus dem Jahre 2015 hat ergeben, dass 22 Prozent der befragten Frauen schon mal am Arbeitsplatz mit Fragen im sexuellen Kontext konfrontiert wurden. Über die Erfahrungen mit Sexismus im Job, spreche ich mit Julia, Hochzeitsplanerin und gelernte Veranstaltungskauffrau.

Erwähnungen: Julia’s Website

Was tun bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz?

Danja und ich sprechen über das große Problem der Periodenarmut. Über Fortschritte innerhalb Deutschland und Europa und was für Stigmatisierungen uns bis heute beherrschen.

Erwähnungen: social period, einhorn period, Rupi Kaur

Hier geht’s zur Petition!
Und zum Beitrag unserer Kommilitoninnnen über The Menstrual Movement!

Quellen und Bildrechte

Textquellen:

Allgemein
Frauenbewegung | bpb, Gleichberechtigung wird Gesetz | bpb, Diese Rechte haben Frauen in den letzten 100 Jahren errungen (humanresourcesmanager.de), Familie: Beruf Hausfrau – Familie – Gesellschaft – Planet Wissen (planet-wissen.de), feminismen_abgabeversion.doc (fh-kiel.de), „Das andere Geschlecht“ | APuZ (bpb.de), (Anti-)Feminismus | APuZ (bpb.de), Digitales Deutsches Frauenarchiv (digitales-deutsches-frauenarchiv.de), FMT (FrauenMediaTurm) – Feministisches Archiv und Bibliothek, Ergebnisse der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) zu „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“

Zitatblöcke
Anita Augspurg, Charles Fourier, Simone de Beauvoir, Hedwig Dohm, Grundgesetz, Helke Sander, Kimberle Crenshaw, Charlotte Roche

Erste Welle
Hedwig Dohm | Digitales Deutsches Frauenarchiv (digitales-deutsches-frauenarchiv.de), Anita Augspurg | Digitales Deutsches Frauenarchiv (digitales-deutsches-frauenarchiv.de)

Zweite Welle
Demokratische Fraueninitiative – Wikipedia, Frauenzentrum Westberlin – Wikipedia, FMT – Chronik der Neuen Frauenbewegung in Deutschland (frauenmediaturm.de), Wir haben abgetrieben! – Wikipedia, Kurze Geschichte des Paragrafen 218 Strafgesetzbuch | APuZ (bpb.de), Gleichberechtigung wird Gesetz | bpb

Dritte Welle
Wir sind nicht zufrieden – Dritte Welle des Feminismus – Relevant Magazin (relevant-magazin.de), «Im Feminismus geht es nicht nur um Frauenrechte» (hellozurich.ch), [„Unsere gut besuchten Stammtische zeigen, dass sich auch Männer mit feministischen Themen auseinandersetzen wollen. Denn im Feminismus geht’s nicht nur um Frauenrechte, sondern generell um die Gleichstellung aller Geschlechter und das Auflösen von starren Geschlechterstereotypen.“ – Nils Jocher, Präsident „Die Feministen“ in der Schweiz], Nachholende Modernisierung im Westen: Der Wandel der Geschlechterrolle und des Familienbildes | bpb, Geschlechterrollen – Forscher entzaubern die Steinzeit-Klischees (Archiv) (deutschlandfunkkultur.de), „Nein heißt Nein“: Bundesrat billigt neues Gesetz zu Vergewaltigungen – FOCUS Online, Gendermedizin: Männer sind halt keine Patientinnen | ZEIT ONLINE, Autosicherheit: Immer nur männliche Crash-Test-Dummies gefährden Frauen – DER SPIEGEL

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